Freude als Fundament: Von positiver Bildung bis zum digitalen Wandel
Positive Bildung und die Bedeutung von Freude im Lernprozess
Lernende, die sich in der Schule wohl fühlen, erzielen bessere Leistungen. Diese Erkenntnis bildet den Ausgangspunkt der Positiven Bildung, wie sie Christoph Städeli im HEP-Verlag vorstellt. Der Autor des AVIVA-Modells legt in der überarbeiteten zweiten Auflage (2025, 144 Seiten) dar, wie Lernen Freude bereiten kann, damit Lernende Selbstwirksamkeit aufbauen und Vertrauen in ihre Fähigkeiten entwickeln.
Dabei ist ein wesentlicher Unterschied zu beachten: Spaß ist flüchtig und auf den Moment bezogen, während Freude ein dauerhafter Zustand von Zufriedenheit und Glück ist. Wie in theologischen Reflexionen beschrieben, kann Spaß zwar Teil der Freude sein, garantiert sie aber nicht. Letztere entsteht durch tiefere Erfüllung und das Gefühl, im Lernen Sinn zu erfahren.
Die Fachhochschule Nordwestschweiz bietet hierfür praxisnahe Weiterbildungen an. Im Kurs «Mit Freude lernen – mit Freude unterrichten» lernen Lehrpersonen des Zyklus 1, wie sie durch altersgerechte Selbsteinschätzung, Peerfeedback und sichtbares Lernen den Unterricht so gestalten, dass Schule allen Freude macht. Die Inputs basieren auf aktuellen Erkenntnissen aus Bildungs- und Hirnforschung.
Emotionale Resilienz und das Wohlbefinden von Lehrpersonen
Lehrpersonen haben einen der spannendsten und anspruchsvollsten Berufe, die es gibt, und müssen täglich Kindern mit unterschiedlichsten Persönlichkeiten gerecht werden. Unter Hochlast entsteht der Eindruck, dass Bildung nur funktioniert, wenn Pädagoginnen und Pädagogen selbst Freude empfinden und diese aktiv kultivieren. Wie Kimberly Tsai Cawkwell für Challenge Success beschreibt, ist Freude im Beruf ein Akt der Resilienz und hilft, emotionale Belastungen zu überwinden.
Eine zentrale Technik ist die bewusste Wahrnehmung von «Glimmers» – Momenten von Positivität, die negative Emotionen ausgleichen können. Lehrpersonen sollten sich regelmäßig fragen: Was aktiviert meine Freude? Was aktiviert meine Traurigkeit? Diese Selbstreflexion bildet die Basis für emotionale Intelligenz im Umgang mit Schülerinnen und Schülern.
Um kollektive Freude im Klassenzimmer zu fördern, empfiehlt sich das bewusste Einplanen von Routinen, die Räume für spontane, freudige Momente schaffen. Dazu gehören Check-in-Fragen, freies Spiel und die Einbindung der Leidenschaften der Lehrenden in den Unterricht. Wenn Lehrpersonen begeistert sind, steigt auch das Interesse der Lernenden am Thema.
Gefühlsstarke Kinder: Besondere Herausforderungen und Potenziale
Etwa jedes siebte bis achte Kind zeichnet sich durch extreme Emotionen aus – von überschäumender Freude bis zu unbändiger Wut. Diese «gefühlsstarken» Kinder, wie sie Nora Imlau in ihrem Buch «So viel Freude, so viel Wut» beschreibt, nehmen ihre Umwelt intensiver wahr als andere. Focus Online berichtet, dass diese Sensitivität angeboren ist und mit einer besonders empfindlichen Amygdala im Gehirn zusammenhängt.
Für das schulische Umfeld bedeutet dies, dass diese Kinder oft auf Kleinigkeiten mit extremen Reaktionen respondieren, da ihr Gehirn leichter in einen Notfallmodus wechselt. Gleichzeitig zeichnen sie sich durch hohe Kreativität, Empathie und Begeisterungsfähigkeit aus. Pädagoginnen und Pädagogen benötigen hier spezifische Strategien der emotionalen Regulation, um diese Kinder liebevoll zu begleiten, ohne selbst in einen Burnout zu geraten.
Spiel und Playfulness in der frühen Kindheit
Das Forschungsprojekt «Playfulness in der frühen Kindheit» der Pädagogischen Hochschule Zürich untersucht über zwei Jahre hinweg, wie sich die Playfulness – die Fähigkeit, Bereitschaft und Freude am Spiel – bei über 800 Kindern zwischen zwei und acht Jahren entwickelt. Die Studie zeigt, dass Playfulness positive Auswirkungen auf das Wohlbefinden, die Kreativität und die psychische Entwicklung hat.
Besonders wichtig ist dabei die Interaktionsqualität mit Erwachsenen. Friedrich Fröbel, Begründer des Kindergartens, beschrieb Spiel als «geistige oder körperliche Tätigkeit, die keinen unmittelbaren praktischen Zweck verfolgt und deren einziger Beweggrund die Freude an ihr selbst ist». Die Forschung bestätigt: Wenn Fachpersonen und Eltern kindliches Spiel angemessen begleiten – weder zu dominant noch zu distanziert –, kann sich die Playfulness optimal entfalten, auch unter familiären Belastungen wie Armut oder chronischen Konflikten.
Digitaler Wandel und Bildungsgerechtigkeit
Das Zentrum Bildung und Digitaler Wandel der PH Zürich erforscht, wie sich Digitalisierung auf Bildung, Unterricht und Lernen auswirkt. In drei Feldern wird gearbeitet: «Education and Digital Society» (politische Dimension), «Digital Learning and Teaching» (didaktische Zugänge) und «Computing Skills in Education» (Informatikkompetenzen).
Das von der Jacobs Foundation unterstützte Konsortium DEEP (Digital Education for Equity in Primary Schools) erforscht Grundlagen für eine sozial gerechte digitale Transformation in Schweizer Primarschulen. Ziel ist es, digitale Lernumgebungen so zu gestalten, dass sie Chancengerechtigkeit fördern und individuelle Bedürfnisse heterogener Schülergruppen adressieren, ohne Ungleichheiten zu vergrössern. Dabei geht es auch um die Frage, wie digitale Medien adaptiv eingesetzt werden können, um Lernfreude und -erfolg nachhaltig zu sichern.